Ich habe Joe Buck das erste Mal 1996 in Nashville, TN getroffen. Ich war gerade volljährig und, wie es sich gehört, auf meiner Pilgerreise durch das heilige Land. Ich verbrachte ein paar Tage in New York, um das CBGBs zu besuchen, was es zu der Zeit noch gab, und hab dort das erste Mal Deadbolt live gesehen.
Unser eigentliches Ziel war aber der Süden. Memphis, Nashville, Mississippi-Delta und New Orleans. Die heiligen Orte unserer Musik. Wie zu erwarten waren die Orte gar nicht so heilig. Memphis, mein Sehnsuchtsort, schien sich außer an Elvis an gar nichts mehr zu erinnern. Stax war abgerissen, Graceland ein Disneyland für Touristen und das so bedeutende SUN-Studio war nicht mehr als eine Außenstelle der Elvis-Vermarktungsmaschine.
Wie so oft muss man tiefer schauen. Es gab immer noch die Gospelgottesdienste, die Straßenbluesmusiker und mit ShangriLa Records von Jack Oblivion einen magischen Ort voller Musik. Memphismuik und Punk. das wollte ich auch, und da entstand mein Entschluss, Suzy Q Records zu gründen. Was ich dann auch tat.
Ähnlich war es in Nashville. Natürlich war Nashville Music City, Die Stadt war zu dieser Zeit voll mit „Garth Brooks” Klonen. Wirklich schlechte Zeit für diese Musik. Die waren Rebellen sollten erst noch kommen und einen von ihnen traf ich dann auch. Auf der Suche nach echter Country- und Hillbilly-Musik fanden wir in einer Seitenstraße das Bluegrass Inn. Dort spielte die ganze Nacht die hauseigene Band „Joe Buck and the Bluegrass Boys“ oder so ähnlich. In einer Spielpause kamen wir mit Joe ins Gespräch. Er interessierte sich für Deutschland und dafür, was wir Kinder eigentlich hier wollen. Joe erinnerte sich später natürlich nicht an den Abend, aber für mich war es das erste Mal, dass ich mit einem echten Musiker gesprochen habe. Ich hatte das Glück, das noch oft wiederholen zu können.
Viele Jahre später, traf ich Joe und die ganzen Leute wieder in Berlin zur legendären “Straight to Hell” Tour von Hank III. Joe Buck und Hank Williams III, die evil Motherfucker vor dem Herren, vor allen Herren. Joe erzählte mir später wie er sein „Bluegrass Inn“ eines Tages einfach zuschloss und mit Hank auf Tour ging. Ohne Geld, ohne Hoffnung, aber mit echter Musik. Um das auch nur einmal erleben zu dürfen, kann man sterben.
Später tourte Joe viele Jahre als “Joe Buck Yourself” durch die ganze Welt. Wir haben zusammen ungezählte Shows gespielt. Saßen in Chemnitz lange Nächte in der Undead Villa und haben Willie Nelson gehört und Gras geraucht.
Wenn die Dinge mal nicht so laufen, wie sie sollen, denke ich daran. Viele Menschen haben Träume und Wünsche im Leben. Einer meiner Wünsche war, Respekt und Anerkennung von den evil Motherfuckers aus Tenneeesee zu bekommen. Vielleicht albern, aber ich bin sehr stolz darauf … … sehr…
Falls ihr mir nicht glaubt, hier ein Video von einer Dienstagnacht. Die hässlichsten Männer und die schönsten Frauen in einem Raum – better than the rest!
